|
UNESCO-Konferenz verabschiedete Proklamation zum Weltnaturerbe Sächsisch-Böhmische Schweiz
|
|
Der Bezirkshauptmann Radek Vonka und Landrat Michael Geisler hatten für den 26.06.2008 zu einer gemeinsamen grenzüberschreitenden UNESCO-Konferenz geladen.
Herr Dr. Rascher von der Fa. GEOmontan Freiberg legte im Rahmen seines Fachvortrages dar, dass das Elbsandsteingebirge im Weltmaßstab mit anderen Landschaften, die bereits den UNESCO-Weltnaturerbetitel erhalten haben, konkurrieren kann.
Die Gemeindevertreter der Kernzonen der Nationalparke sowie Vertreter der Ministerien diskutierten mit Fachleuten über das "Für und Wider" einer erfolgreichen Bewerbung für den Welterbetitel.
"Der UNESCO Weltnaturerbetitel stellt eine ganz neue Herausforderung für unsere Region dar. Die Nominierung gibt uns die einmalige Chance den Tourismus in der Region qualitativ auf eine höhere Stufe zu stellen als bisher.", ist Landrat Michael Geisler überzeugt.
Neue Qualität heißt dabei: auch über neue Strukturen im Management, in der Infrastruktur oder der Besucherlenkung nachzudenken.
'Gerade der UNESCO Titel verbindet wie kein anderer die Forderung nach naturnahem Tourismus und hoher Qualität in den touristischen Angeboten.
Wenn eine abschließende vergleichende Studie aller potentiellen Antragsteller auf tschechischer Seite vorliegt, wird die dortige Regierung entscheiden, ob sie die Bewerbung der Sächsisch- Böhmischen Schweiz oder jene an der österreichischen Grenze unterstützen wird.
Im Ergebnis der Konferenz wurde eine gemeinsame Erklärung zum Weltnaturerbe der UNESCO abgegeben.
|
 |
|
Inhalt der Erklärung:
Proklamation der Region Sächsisch-Böhmische Schweiz zum Titel „Weltnaturerbe der UNESCO“
Die Teilnehmer der grenzüberschreitenden Konferenz, die am 26.06.2008 im Schloss Děčín stattfand, geben hiermit folgende Erklärung ab:
Durch den Beitritt zur Welterbekonvention haben sich die Tschechische Republik und die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, potentielle Weltnaturerbestätten zu identifizieren, zu schützen, zu präsentieren und als Naturgüter von herausragendem universellem Wert für künftige Generationen zu erhalten.
Die Gemeinde- und Kreisvertreter bekräftigen ihr Ansinnen, eine gemeinsame UNESCO- Welterbe-Bewerbung für die Sächsisch-Böhmische Schweiz zu beantragen.
Die Anmeldung des Welterbeprojektes soll grenzüberschreitend und gemeinsam durch die Regierungen der Tschechischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland erfolgen.
Die Regierung der Tschechischen Republik und die Staatsregierung des Freistaates Sachsen werden gebeten, den Willen der Gemeinden in der Region Sächsisch-Böhmische Schweiz für eine Bewerbung für einen Welterbetitel aktiv zu unterstützen.
|
Es war ruhig geworden um den Welterbetitel. In den Medien können wir bis heute die Diskussionen um die Waldschlösschenbrücke im Zusammenhang mit dem Welterbe in Dresden verfolgen.
In der Sächsische- Böhmischen Schweiz sieht die Situation jedoch grundlegend anders aus. Zum einen sind sich wohl alle Beteiligten darin einig, dass diese einmalige Landschaft erhalten werden muss. Neben einer Naturlandschaft rund um den Nationalpark haben wir es auch mit einer reichen Kulturlandschaft zu tun, die das Wirken seiner Einwohner über Generationen abbildet. Zum anderen und da müssen sich auch die Bedenkenträger einmal kritisch auseinander setzen, haben in der Sächsischen Schweiz alle Gemeinden einschließlich des Landkreises und nunmehr auch in der Böhmischen Schweiz der überwiegende Teil der Gemeinden einschließlich des Kraj ihre Zustimmung zum Vorhaben gegeben.
Wenn Demokratie nicht von unten kommt, woher denn sonst. Kann man den Willen von Gemeinde- und Kreisräten so einfach beiseite lege? Herr Landrat Geisler meint nein, das kann man nicht.
Zu einer Grundsatzabstimmung zum weiteren Vorgehen trafen sich am 03.12.2007 Landrat Michael Geisler und regionale Vertreter aus der tschechischen Republik. Im Ergebnis konnte festgehalten werden, das sich die böhmische Seite positiv zu einer Welterbebewerbung stellt.
Ein entsprechendes Schreiben wird in den nächsten Wochen vom Umweltministerium der Tschechischen Republik an das Sächsische Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft gehen.
Auf Anregung von Landrat Geisler soll im ersten Quartal eine grenzübergreifende Kommunalkonferenz zu der Frage Welterbe Sächsisch- Böhmische Schweiz durchgeführt werden. Die überwältigende Mehrheit der Kommunen und der Kraj Usti hatten sich im Vorfeld für eine Bewerbung ausgesprochen. In der Sächsischen schweiz wurden diese Entscheidungen bereits 2006 mit auf den Weg gegeben.
|
Bezirk unterstützt Unesco-Bewerbung
|
|
Usti. Die Bezirksversammlung des Bezirks Usti (Aussig) hat am Mittwochabend offiziell beschlossen, dass sie die Bewerbung der Sächsisch-Böhmischen Schweiz um den Titel „Unesco-Weltnaturerbe“ unterstützen wird. „Dieser Schritt würde das Interesse der Touristen am Nationalpark sicherlich steigern und uns weitere Investitionen bringen“, sagte Radek Vonka, der stellvertretende Bezirkshauptmann, gegenüber der „Mlada Fronta Dnes“. Die endgültige Entscheidung über den Antrag an die Unesco fällt jedoch nicht in Usti, sondern in der Hauptstadt Prag. (ahu)
|
|
Sächsische Zeitung
Montag, 1. Oktober 2007
|
Ums Weltnaturerbe ist es sehr ruhig geworden
Von Jana Klameth und Anneke Hudalla |
Die Sächsische Schweiz kämpft weiter und hofft, dass sich auch Tschechien positiv positioniert.
Bisher sind die Signale noch zwiespältig.
|
|
Nein, beerdigt ist die Idee nicht, für die Sächsisch-Böhmische Schweiz den Unesco-Weltnaturerbe-Titel zu beantragen. Das sagt Landrat Michael Geisler (CDU) auf SZ-Nachfrage. Er gibt aber durchaus zu, dass es sehr ruhig geworden ist um das Thema.
„Das hängt sicher auch mit dem Knatsch um den Weltkulturerbe-Titel und die Waldschlößchenbrücke in Dresden zusammen“, so Geisler. Dadurch sei das Thema insgesamt diskreditiert worden. „Wir überlegen deshalb, wie wir strategisch am besten weiter vorgehen.“
Als Hauptbremser gilt das Sächsische Umweltministerium. Dort ist man bereits von Anfang an skeptisch gewesen. Es wird befürchtet, dass planerische Vorhaben in der Region möglicherweise durch eine Nominierung erschwert würden. „Das ist aus meiner Sicht ein vorgeschobenes Argument“, hält Geisler dagegen. Die wirtschaftliche Entwicklung in der Region werde z.B. bereits durch die Nationalpark-Vorschriften beeinträchtigt. „Mehr verhindert das Welterbe auch nicht“, so Geisler. Der Titel könnte vielmehr der Region helfen, sie weltweit bekannter machen und Touristen anlocken.
Geislers Hoffnungen ruhen jetzt vor allem auf Tschechien. „Wenn sich die dortige Regierung hinter das Weltnaturerbe stellt, dann wird es für Sachsen sehr schwer, nicht mitzuziehen“, so Geisler.
Doch auch in Tschechien ist das Thema ganz offensichtlich noch nicht in dem Topf, wo es kocht. Jakub Kaspar, Pressesprecher des Prager Umweltministeriums, bestätigt zwar, dass die Potenzialstudie zum Weltnaturerbe-Titel für die Böhmische Schweiz zu Beginn des Sommers fertiggestellt wurde. „Allerdings“, so Kaspar, „gibt sie keine eindeutige Empfehlung ab.“
Zu viele Besucher
Die Tschechen haben offenbar vor allem vor einer zu starken touristischen Nutzung der Böhmischen Schweiz Angst, sie befürchten dadurch ökologische Schäden. „Internationale Erfahrungen zeigen, dass der Welterbe-Titel dazu führt, dass die Zahl der Besucher deutlich steigt“, sagt auch Marina Paskova, Leiterin des Referats für Siedlungsökonomie im Prager Umweltministerium. Das habe finanzielle Folgen. „Um die Touristen halbwegs in erträglichen Bahnen zu halten, müsste eine Regulierung stattfinden, deren Kosten sich aber auf mehrere Millionen Kronen im Jahre belaufen könnte“, so Paskova.
Sie rechnet damit, dass Tschechien Mitte nächsten Jahres eine Entscheidung treffen wird, ob Prag den Antrag unterstützt. Angesichts der zu erwartenden Kosten müsse darüber wahrscheinlich die gesamte Regierung beschließen.
Im Pirnaer Landratsamt will man sich jetzt erst mal schnellstmöglich eine Übersetzung der tschechischen Analyse besorgen. „Außerdem werden wir die Ergebnisse unserer Gutachten zusammenfassen und der Öffentlichkeit zugänglich machen“, kündigt Geisler an. Mittlerweile liegt nämlich auch eine kunsthistorische Analyse vor.
Alles in allem, so versichert der Landrat, sei der Weltnaturerbe-Titel für die Sächsische Schweiz weiter erstrebenswert. „Wir müssen uns aber etwas in Geduld üben.“
|
|
Sächsische Zeitung
Donnerstag, 27. September 2007
|
| Die Potenzialanalyse zeigt es:
die Sächsische Schweiz hat gute Chancen von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt zu werden
|
|
Am 23.02.2006 begrüßte Landrat Michael Geisler im Berufsschulzentrum Pirna/Copitz eine Vielzahl geladener Gäste zur Vorstellung der Poten-zialanalyse für die Aufnahme der Sächsisch-Böhmischen Schweiz in das UNESCO Weltnaturerbe. Für die Sächsische Schweiz ist dies ein einzigartiges Projekt und eine große Chance für die Zukunft.
Unter den Gästen waren zahlreiche Kreisräte, Bürgermeister, Vertreter verschiedener Organisationen und Vereine sowie Frau Paskova als Vertreterin des Umweltministeriums in Prag und Herr Jerabek, der erste Vizebürgermeister der Stadt Decin.
Die Firma GEOmontan aus Freiberg stellte das umfangreiche Werk vor. Ziel der vorliegenden Studie ist es Aufschluss darüber zu geben, ob sich eine Bewerbung der Sächsisch-Böhmischen Schweiz als Weltnaturerbe lohnen würde und ob dieses in Betracht zu ziehen ist.
In der jetzt vorliegenden Analyse wird von der Sächsisch-Böhmischen Schweiz als einmaliges Beispiel für erdzeitliche Veränderung gesprochen. Im Mittelpunkt der Betrachtungen steht dabei die geologische Einzigartigkeit.
Im Ergebnis ihrer Betrachtungen machten Experten deutlich, dass die Region eine reelle Chance hat von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt zu werden.
Vom geologischen Standpunkt aus gesehen, erfüllt sie sämtliche Bedingungen, die für eine Anerkennung notwendig sind.
Die Wortmeldungen verschiedener Gemeindevertreter fielen fast durchgängig positiv aus. „Viele sehen es als eine Möglichkeit den Menschen eine neue Vision zu geben.“ Mit diesem Satz fasste es ein Gast treffend zusammen.
In der Notwendigkeit der Steigerung der Gästezahlen und der Verbesserung des Internationalen Bekanntheitsgrades sahen die Anwesenden den entscheidenden Vorteil einer Nominierung zum Weltnaturerbe. Gerade mit einer solchen internationalen Anerkennung steigt der Bekanntheitsgrad der Region in der ganzen Welt.
Dass noch viel Arbeit vor uns liegt, ist allen bewusst. „Der Weg ist das Ziel packen wir es an.“, schloss Landrat Michael Geisler die Diskussionsrunde. Gleichzeitig rief er zur Beteiligung an einem Internetforum auf.
|
|
| Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt |
| Die Generalkonferenz der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, die vom 17. Oktober bis 21. November 1972 in Paris zu ihrer 17. Tagung zusammengetreten ist - |
| im Hinblick darauf, dass das Kulturerbe und das Naturerbe zunehmend von Zerstörung bedroht sind, nicht nur durch die herkömmlichen Verfallsursachen, sondern auch durch den Wandel der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse, der durch noch verhängnisvollere Formen der Beschädigung oder Zerstörung die Lage verschlimmert; |
| in der Erwägung, dass der Verfall oder der Untergang jedes einzelnen Bestandteils des Kultur- oder Naturerbes eine beklagenswerte Schmälerung des Erbes aller Völker der Welt darstellt; |
| in der Erwägung, dass der Schutz dieses Erbes auf nationaler Ebene wegen der Höhe der erforderlichen Mittel und der unzureichenden wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und technischen Hilfsquellen des Landes, in dem sich das zu schützende Gut befindet, oft unvollkommen ist; |
| eingedenk der Tatsache, dass die Satzung der Organisation vorsieht, dass sie Kenntnisse aufrechterhalten, vertiefen und verbreiten wird, und zwar durch Erhaltung und Schutz des Erbes der Welt sowie dadurch, dass sie den beteiligten Staaten die diesbezüglich erforderlichen internationalen Übereinkünfte empfiehlt; |
| in der Erwägung, dass die bestehenden internationalen Übereinkünfte, Empfehlungen und Entschließungen über Kultur- und Naturgut zeigen, welche Bedeutung der Sicherung dieses einzigartigen und unersetzlichen Gutes, gleichviel welchem Volk es gehört, für alle Völker der Welt zukommt; |
| in der Erwägung, dass Teile des Kultur- oder Naturerbes von außergewöhnlicher Bedeutung sind und daher als Bestandteil des Welterbes der ganzen Menschheit erhalten werden müssen; |
| in der Erwägung, dass es angesichts der Größe und Schwere der drohenden neuen Gefahren Aufgabe der internationalen Gemeinschaft als Gesamtheit ist, sich am Schutz des Kultur- und Naturerbes von außergewöhnlichem universellem Wert zu beteiligen, indem sie eine gemeinschaftliche Unterstützung gewährt, welche die Maßnahmen des betreffenden Staates zwar nicht ersetzt, jedoch wirksam ergänzt; |
| in der Erwägung, dass es zu diesem Zweck erforderlich ist, neue Bestimmungen in Form eines Übereinkommens zur Schaffung eines wirksamen Systems des gemeinschaftlichen Schutzes des Kultur- und Naturerbes von außergewöhnlichem universellem Wert zu beschließen, das als ständige Einrichtung nach modernen wissenschaftlichen Methoden aufgebaut wird; |
| nach dem auf ihrer 16. Tagung gefassten Beschluss, diese Frage zum Gegenstand eines internationalen Übereinkommens zu machen - |
| beschließt am 16. November 1972 dieses Übereinkommen. |
|